Durchatmen. Entspannen. Umdenken – Kanada’s Wildnisgebiete

Tatshenshini-Alsek Provincial Park

Wenn es zwei Tage und Nächte ununterbrochen schüttet und die Temperaturen um Null Wurzeln schlagen. Wenn die Ablagerungen flussaufwärts das vormals klare Wasser schmutzig-braun färben, der Himmel fast schwarz und der Schlafsack nicht mehr trocken wird. Wenn der ständige Wasserkontakt die Haut aufspringen lässt und die Arbeit mit dem Paddel die Schultern in Pudding verwandelt. Und wenn man dann auch noch mit Schippe, Klopapier und verschließbarer Plastiktüte in den Busch ziehen und sich in denkbar schutzlosester Stellung Heerscharen von Mücken und Schwarzfliegen ausliefern muss. Kurz, wenn man sich so richtig mies fühlt und es zu allen Überfluss auch noch wenigstens 200 Kilometer (Luftlinie) zur nächsten heissen Dusche sind, dann stellt man sich schon mal die Frage aller Fragen: Warum nur, warum?

Nur Elche, Bären, Adler und die Natur

Die Antwort: Weil dies die kanadische Wildnis ist! Mit anderen Worten: Weil es hier leicht auf mehreren tausend Quadratkilometern keine Menschenseele außer einem selbst gibt. Und sonst nur Elche, Bären, Adler. Und schneebedeckte Berge, riesige Urwälder aus Schwarzkiefern und Espen, saubere Luft und sternenklare Nächte. Und, weiter oben, Nordlichter und Mitternachtssonne. Warum also? Weil soviel XL-Natur selbst an einem miesen Tag einen grandiosen Stimmungsumschwung schafft und deshalb selbst die Leidenstour unseres Paddlers im obigen Absatz zu einer erstklassigen macht! Doch die Wildnis bewirkt noch etwas viel schöneres. Wer nämlich ein paar Tage fernab der Straßen verbringt, kehrt mit mehr Respekt und Verständnis für die Werte der unberührten Natur zurück. Oder wie der Pate der nordamerikanischen Umweltschützer, John Muir, es einmal formulierte: Bei jeder Wanderung durch die Wildnis erhält man mehr geschenkt als man eigentlich erwartet hat.

Riesige Nationalparks

Wer heute Kanada sagt, denkt deshalb – kein Wunder bei 10 Mio. Quadratkilometern Staatsfläche – automatisch an die kanadischen Nationalparks. Von der Regierungsbehörde Parks Canada verwaltet, schützen über 40 Nationalparks zwischen Atlantik, Eismeer und Pazifik Gebiete im Urzustand. Der größte ist Alberta´s Wood Buffalo National Park (44 800 qkm), der kleinste Ontario´s St. Lawrence Islands National Park (9 qkm). Es gibt leicht erreichbare Parks vor den Toren der Großstadt ebenso wie entlegene, schwer erreichbare Gebiete, die von kaum mehr als ein paar Dutzend Touristen jährlich aufgesucht werden. Insgesamt bedecken die kanadischen Nationalparks knapp 3 Prozent der Staatsfläche. Hinzu kommen weitere Wildnisgebiete, die von den Provinzen gemanagt werden und solche, um deren ökologische Integrität private Gruppen kämpfen. Der älteste Nationalpark des Landes ist übrigens der Banff National Park in Alberta. Er wurde bereits 1885 gegründet.

Um die kanadischen Nationalparks zu genießen, muss man kein kerniger Naturbursche sein. Parks Canada nimmt den Besucher bei der Hand. Parks wie Banff, Jasper (beide AB), Gros Morne (NFLD) und Forillon (QuE) bieten vorbildlich ausgezeichnete Wanderwege aller Längen und Schwierigkeitsgrade. Flüsse und Seen können erpaddelt werden, Radwege werden immer populärer. Wer mehr will als den Spaziergang vom Parkplatz zum Biberdamm, auf den warten mehrtägige Expeditionen in´s menschenleere, “Back Country” genannte Hinterland. Was möglich ist, darüber informiert Parks Canada auf seiner Webseite. Vor Ort sind die Besucherzentren der wichtigste Anlaufspunkt. Dort informieren Ranger u.a. über Wetter, Trailzustand und aktuelle Bärensichtungen. Die Parks-Karten sind hervorragend.

Text: Ole Helmhausen

Hier eine MKR-Liste der schönsten National- und Provinzparks, mit Kurzprofil (Gründungsjahr, Größe, Provinz, Aktivitäten) und weiterführenden Links.

Westkanada

Banff, Jasper, Yoho: In Alberta und British Columbia warten einige der berühmtesten Nationalparks der Welt. Leicht erreichbar und vorbildlich erschlossen, lassen sich die Parks im Westen auch von konditionsfernen Besuchern genießen.

Banff National Park: 1885, 6641 qkm, Alberta.
Wandern, zelten, paddeln, klettern, reiten, schwimmen, radfahren, wilde Tiere beobachten, skilaufen.

Jasper National Park: 1907, 10878 qkm, Alberta.
Hiking, wilde Tiere beobachten, zelten, radfahren, paddeln, klettern, skilaufen, reiten

Waterton Lakes National Park: 1895, 505 qkm, Alberta.
Hiking, wilde Tiere beobachten, zelten, mountainbiking, klettern, reiten, angeln, schwimmen.

Kootenay National Park: 1920, 1406 qkm, BC. Hiking, zelten, paddeln, rafting, radfahren, mountainbiking, klettern, bergsteigen, angeln, reiten, schwimmen, Tierbeobachtung, skilaufen.

Yoho National Park: 1886, 1313 qkm, BC
Paddeln, rafting, zelten, wandern, angeln, bergsteigen, reiten, radfahren, mountainbiking

Glacier National Park: 1886, 1349 qkm, BC
Wandern (backcountry), caving, bergsteigen, angeln, Tierbeobachtung.

Mount Revelstoke National Park: 1914, 260 qkm, BC.
Wandern, Tierbeobachtung, angeln, zelten.

Pacific Rim National Rim National Park: 1970, 511 qkm, BC.
Wandern, zelten, Wal- und Vogelbeobachtung, paddeln, radfahren.

Gwaii Haanas National Park Reserve: 1988, 1495 qkm, BC
Kayaking, angeln, wandern, zelten.

Dinosaur Provincial Park: 1995, 74 qkm, Alberta
Wandern, zelten, Fossilien.

Writing-on-Stone-Provincial Park: 1957, 18 qkm, Alberta
Wandern, prähistorische Felsenbilder, zelten, schwimmen.

Wells Gray Provincial Park: 1939, 5250 qkm, BC
Wandern (Hut-to-Hut-Hiking), zelten, Wasserfälle.

Der Norden

Yukon Territory, Northwest Territories, Nunavut: Schon die Namen klingen nach Frontier, Expedition, Abenteuer. Tatsächlich sind nur die Nationalparks im Yukon – und ein einziger in den NWT – per Auto erreichbar. Nationalparks wie Tuktuk Nogait und Sirmilik sind nur per Flugzeug und Kreuzfahrtschiff erreichbar.

Kluane National Park and Reserve: 1972, 22 013 qkm, Yukon.
Wandern, zelten, bergsteigen, reiten, angeln, rafting.

Nahanni National Park: 1976, 20 500 qkm, NWT
Rafting, paddeln, wandern, zelten, Tierbeobachtung.

Wood Buffalo National Park: 1922, 44 807 qkm, Alberta/NWT
Tierbeobachtung, wandern, paddeln, angeln.

Sirmilik National Park: 2001, 22 200 qkm, Nunavut
Wandern, Tierbeobachtung, paddeln, zelten.

Auyuittuq National Park: 2001, 21471 qkm, Nunavut.
Wandern, zelten, Eisbärenbeobachtung, Schlittenhund-Expeditionen, Skiwanderungen.

Fotostrecke

Die Prärien

Endlose Weiten, Roadtrip Country: Saskatchewan und Manitoba stehen traditionell im Schatten der Publikumsmagneten BC und Ontario. Dafür muss man ihre National- und Provinzparks mit viel weniger Besuchern teilen.

Grasslands National Park: 1981, 907 qkm, Sask.
Tierbeobachtung vor allem Büffel), wandern, zelten, Vogelbeobachtung, Sterne gucken.

Prince Albert National Park: 1927, 3874 qkm, Sask.
Wandern, reiten, schwimmen, paddeln, segeln, radfahren, Tierbeobachtung.

Riding Mountain National Park: 1933, 2973 qkm, Man.
Wandern, zelten, paddeln, schneeschuhwandern.

Wapusk National Park: 1996, 11475 qkm, Man.
Tierbeobachtunf (v.a. Eisbären), Wanderungen durch die Tundra.

Cypress Hills Interprovincial Park: 1989, 400 qkm, Alberta/Sask.
Wandern, mountainbiking, reiten.

Ontario

Wracktauchen, exotische Vögel beobachten, verschärftes Backcountry-Hiking, Eisbären beobachten: Die größte Bandbreite an Aktivitäten hält wohl Ontario bereit.

Point Pelee National Park: 1918, 915 qkm, Ont.
Vogelbeobachtung, paddeln, wandern.

Pukaskwa National Park: 1978, 1878 qkm, Ont.
Wandern, paddeln, Tierbeobachtunf (v.a. Karibus).

Bruce Peninsula National Park: 1987, 154 qkm, Ont.
Wandern (Bruce Trail), schwimmen, paddeln, Skilanglauf

St. Lawrence Islands National Park: 1904, 9 qkm, Ont.
Paddeln, zelten.

Georgian Bay Islands National Park: 1929, 13 qkm, Ont.
Paddeln, zelten, wandern.

Algonquin Provincial Park: 1893, 7653 qkm, Ont.
Kanuwandern, zelten, wandern, Tierbeobachtung (v.a Elche), radfahren.

Polar Bear Provincial Park: 1970, 23552 qkm, Ont.
Tierbeobachtung (v.a. Eisbären).

Québec

Wale und Karibus, Kanu- und Kayakexpeditionen: Québec´s Wildnisgebiete werden vom Kanadischen Schild und der Nähe zum Nordatlantik geprägt.

La Mauricie National Park: 1970, 536 qkm, Qué.
Wandern, zelten, Kanuwandern, Skilanglauf und schneeschuhwandern.

Saguenay-St. Lawrence Marine Park: 1998, 1246 qkm, Qué.
Walbeobachtung, tauchen, kayaking.

Forillon National Park: 1970, 244 qkm, Qué.
Tierbeobachtung (v.a. Wale, Schwarzbären), wandern, zelten, kayaking, tauchen, radfahren, Skilanglauf.

Mingan Archipelago National Park Reserve: 1984, 151 qkm, Qué.
Kayaking, zelten, Tierbeobachtung (v.a. Wale, Seehunde).

Parc national de la Gaspésie (Provinzpark): 1981, 802 qkm, Qué.
Wandern, Trekking, paddeln, Tierbeobachtung (Elche, Karibus, Schwarzbären, Adler), zelten.

Atlantic Canada

Kanada´s Atlantikprovinzen finden am Wasser statt, und so verwundert es nicht, dass der raue Nordatlantik auch in den Nationalparks von New Brunswick, Nova Scotia, Prince Edward Island und Newfoundland & Labrador eine wichtige Komponente ist.

Fundy National Park: 1948, 206 qkm, NB

Wandern, paddeln, Vogelbeobachtung, zelten, mountainbiking.

Prince Edward Island: 1937, 22 qkm, PEI
Schwimmen, wandern, Vogelbeobachtung.

Kejimkujik National Park: 1968, 404 qkm, NS
Wandern, paddeln, radfahren, zelten, angeln, schwimmen.

Cape Breton Highlands National Park: 1936, 949 qkm, NS
Wandern, radfahren, Tierbeobachtung (v.a. Elche, Wale, Seevögel).

Terra Nova National Park: 1957, 400 qkm, Nfld.
Wandern, radfahren, zelten, schwimmen, kayaking, tauchen.

Gros Morne National Park: 1973, 1805 qkm, Nfld.
Wandern, kayaking, schwimmen, radfahren, Walbeobachtung, angeln.

Torngat Mountains National Park: 2005, 9600 qkm, Nfld.
Wandern, trekking, Tierbeobachtung (v.a. Eisbären, Wale, Karibus, Seelöwen, Seevögel).

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