Mit dem Wohnmobil durch den Yukon – Mein Reisebericht

Karl-Hans Kern ist in Whitehorse (Yukon) gelandet. Die Übergabe des Truck Campers mit Allrad steht an. Für Mein Kanada-Reiseplaner hat er Tagebuch geführt und berichtet über seine Reise mit dem Wohnmobil durch den hohen Norden. 

Artikelserie Yukon

Wie unterscheidet sich die Reisevorbereitung in den Yukon zu anderen kanadischen Provinzen? In den ersten zwei Artikeln sprachen wird mit der Familie Kern aus Hessen über ihre Reisevorbereitungen und Routenplanung.

Reiseplanung Kanada: Yukon Territorium
Auf Wetterfrösche ist im Yukon kein Verlass
Yukon – Das Land der namenlosen Berge

 

Kanada-Reisetagebuch: 22.08. bis 24.08.2016

Yukon South: Von Whitehorse Richtung Atlin

Die Übergabe des Truck Campers erfolgt nach dem Frühstück im Haus des Vermieters. Frank von Klondike RV hat für uns eine Pfanne mit Kartoffel, Bohnen, Speck und Eiern vorbereitet. Diese zum Frühstück gegessen, lässt das Mittagessen überflüssig sein, so sein Argument – gut nachvollziehbar für uns und vor allem sehr schmackhaft.

Wohnmobilübernahme

Unser Truck Camper ist ein weißer RAM 350er Benziner samt Camper mit Slideout. In seiner Gesamtheit ein wuchtiges Gefährt. Alles andere ist schon fast Routine. Der Check auf Schäden am Fahrzeug, der Hinweis auf Verantwortung für Reifen, Dachaufbau und Unterboden, voller Tank und Gasflaschen gehören zu den Formalitäten. Wir fragen nach dem Wagenheber, der sich samt Werkzeug für Reifenwechsel und kleinerer Reparaturen hinter dem Fahrersitz befindet, wo auch Campingstühle, Axt und Angelausrüstung sowie das kostenlose Bärenspray bereitgelegt sind. Wir bekommen zwei Fahrzeugschlüssel überreicht und dann kann es losgehen. Die erste Fahrt nach der Fahrzeugübergabe führt nach Whitehorse zum Einkauf.

whitehorse-nach-atlin21

Autofahren im Yukon

Alles in Kanada ist größer. Das Land, die Entfernungen, das Auto, die Straßen aber auch die dafür vorhandenen Parkplätze. Heißt, wenn man sich an die Maße des Fahrzeugs gewöhnt hat, macht Autofahren im Yukon richtig Spaß. Mit Ausnahme von Whitehorse herrscht auf den Highways wenig Verkehr. In der Stadt selbst wird mit Rücksicht auf Fußgänger gefahren. Ob in den Straßen, auf den Parkplätzen des Supermarktes, überall dort wo Menschen die Straße überqueren wollen, hält man das Fahrzeug an. Und Parken? Auch das ist in Whitehorse kein Problem. An den Supermärkten sind Plätze für Wohnmobile vorgesehen und wenn nicht, kann man ohne Ärger zu riskieren, zwei hintereinander liegende Parkplätze belegen.

2-whitehorse

 

whitehorse-nach-atlin09

Mit Proviant in Whitehorse eindecken (23.08)

Beim Einkauf gilt es, sich wieder an die großen Verpackungsmengen zu gewöhnen. Aber nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten ist das kein Problem. Es gibt alles was das Herz und Magen begehrt. Auch für Veganer verfügt der Supermarkt über eine entsprechende Produktauswahl. Gewöhnen müssen wir uns auch wieder daran, dass alkoholische Getränke nicht im Supermarkt sondern im Liquor Store eingekauft werden müssen. Doch dieser befindet sich in der Regel in der Nähe der Supermärkte, so dass auch dieser Einkauf schnell getätigt ist.

2-whitehorse-2

 

Die Reise beginnt

Whitehorse, Yukon, wir sind angekommen. Noch sind wir in erster Linie körperlich da, gedanklich noch viel zu sehr mit den neuen Eindrücken, dem Auto, der Sprache und mit dem was uns erwarten wird beschäftigt, um uns klar darüber zu sein –„Wir sind in Kanada!“. Das aber ändert sich schnell.

3-whitehorse-nach-sueden

Gegen 15.00 Uhr beginnt dann die Reise in die Wildnis des Yukon. Wir fahren den Alaska Highway nach Süden. Ziel der nächsten beiden Tage ist Atlin, der nördlichsten Stadt British Columbias. Der rege Straßenverkehr rund um Whitehorse lässt nach wenigen Kilometern nach und wir sind fast alleine unterwegs.

whitehorse-nach-atlin01

So langsam können wir uns auf die Landschaft einlassen, halten an der Brücke über den Yukon an und lassen die Rauheit der Natur auf uns wirken. Das also ist der Yukon? Noch scheinen wir die Landschaft zu kennen, vergleichen sie mit der Cariboo Region in British Columbia. Aber wir verständigen uns darauf, dem Yukon die Zeit zu lassen uns zu begeistern. Es gelingt ihm, kann ich vorwegnehmen.

580x380_02

CRD International ist einer der Pioniere des Wohnmobilurlaubs in Kanada und USA. Profitieren Sie von unseren aktuellen Sonderangeboten, unser Wohnmobil Preisvergleich berechnet Ihnen, tagesaktuell, das günstigste Angebot für Wohnmobile in Kanada und USA. Zudem bieten wir Ihnen mit unseren Wohnmobil Komplettangeboten eine Auswahl vorgefertigter Wohnmobilpakete. Zur Website

(Anzeige)

 

Vorbei am Marsh Lake erreichen wir nach einer Stunde Fahrzeit Jakes Corner. Hier zweigt die Tagish Road nach Westen, Richtung Carcross, ab. Wir fahren sie ein kurzes Stück, um an der Tankstelle nach Süden, auf die Atlin Road, abzubiegen. Der sich uns bietende Blick ist überwältigend. Der Little Atlin Lake begleitet uns und am Horizont bilden Bergmassive einen Blickfang. Der Highway ist asphaltiert, lässt sich problemlos fahren und bietet immer wieder Gelegenheiten zum Anhalten und den Blick zu genießen.

5-strasse-nach-atlin-und-snafu-lake

Anfänglich fällt es mir schwer einfach auf dem Highway anzuhalten, es könnte ja ein Fahrzeug kommen. Also fahren wir rechts ran, steigen aus und wundern uns über die Ruhe. Bei ausgeschaltetem Motor ist außer unserem Atem und dem Wind nichts zu hören.

5-strasse-zum-snafu-lake

Snafu Lake Campground

Nach weiteren 24 Kilometern erreichen wir den Abzweig zum Snafu Lake Yukon Government Campground. Wir entscheiden uns die erste Nacht hier zu verbringen. Über einen schmalen Zufahrtsweg erreichen wir nach wenigen Minuten den Campground. Gleich auf der rechten Seite steht ein Camper eines Kanadiers, alle anderen Plätze sind frei. Dazu zählt auch ein Platz auf einer Anhöhe mit direktem Blick auf den See. Wir zögern nicht lange und schlagen hier unser Nachtlager auf.

6-und-7-campground-snafu-lake-2

23-8-snafu-lake44

Der Blick ist großartig. Wie ab setzt jeden Abend, gönnen wir uns nach der Anmeldung auf dem Campground zunächst ein kaltes Bier, bevor das Lagerfeuer und das Abendessen vorbereitet wird. Das Wetter spielt mit und verspricht einen angenehmen Abend.

snafu-lake-1-von-1-17

Campgrounds im Yukon
Neben den privaten Campgrounds, die sich in allen Ortschaften und oftmals auch bei Lodges entlang der Highways finden, hat die Territorialregierung eine große Anzahl an „Yukon Government Campgrounds“ geschaffen. Es handelt sich dabei um einfache Campgrounds, ausgestattet mit Tisch und zwei Bänken, Feuerstelle, Toilette und manchmal auch einem überdachten Aufenthaltsraum mit Holzofen, auf dem gekocht werden kann. Handpumpen für Grundwasser ergänzt das Serviceangebot bei dem einen oder anderen Platz. Bei allen Campgrounds gibt es kostenloses Feuerholz. Der Preis pro Nacht belief sich in 2016 auf 12 CAD pro Fahrzeug.

23-8-snafu-lake51

Die Arbeitsteilung zwischen mir und meiner Frau entspricht während des Urlaubs sehr wohl den üblichen Klischees. Ich fahre, sie fährt bei, sie bereitet das Essen vor, ich bin für das Lagerfeuer verantwortlich. ABER das Frühstück ist in den drei Wochen ausschließlich meine Aufgabe. Und wir genießen das so.

Inzwischen ist es 19.00 Uhr, ich inspiziere den Campground, hole Feuerholz und meine Frau beginnt mit den Vorbereitungen des Abendessens. Und auch hier sind die Rollen klar verteilt. Sie würzt die Steaks, ich grille sie, decke dabei den Tisch und dazwischen reicht die Zeit immer für einen Schnappschuss mit der Kamera. Schließlich ändert sich mit dem Tageslicht auch die Farbstimmung am See und das alleine ist schon jetzt ein Schauspiel.

Dieses Landschaftskino der fast drei Stunden dauernden Dämmerung mit ihren sich verändernden Wolkenbildern, dem Abendrot und der hereinbrechenden Nacht, ersetzt jedes Fernsehprogramm. Wir sitzen am Lagerfeuer und genießen diesen ersten Abend.

23-8-snafu-lake37

Paddeltour am Snafu Lake (23.08.)

Am anderen Morgen bin ich früh wach. Wie schon berichtet, bin ich für die Zubereitung des Frühstücks verantwortlich. Auf dem Programm stehen in Canada grundsätzlich drei Gerichte – Pancakes, Speck und Eier und Toastbrot mit gekochtem Ei.

Das Interessante dabei für zukünftige Yukon Besucher ist die Tatsache, dass sich im Wohnmobil ein Gasherd Grill befand. Es handelt sich dabei um eine pfiffige Erfindung. Eine runde Metallplatte mit kleinen Löchern, Drähte, die zusammengesteckt auf vier Seiten Weißbrotscheiben Platz bieten und die auf den Herd gestellt wunderschön gebräunte Toastscheiben ergeben. Vorausgesetzt, man lässt sie nicht zu lange stehen. Wenn wir das Gerät früher gekannt hätten, hätten wir uns das bei unseren bisherigen Reisen angeschafft und jedes Jahr wieder mitgebracht. Wiegt nicht viel, lässt sich zusammenklappen und macht aus Pappkartonweißbrot des Supermarkts – nein, nicht köstliches Weißbrot aber immerhin getostetes Pappkartonweißbrot.

Es gibt Pancakes. Als der Kaffee duftet und der Rauchmelder des Wohnmobils ankündigt, dass die Pancakes fertig sind, kommt auch meine Frau zum Frühstück. Frühstück ist immer im Camper angesagt. Wir lassen uns am Vormittag Zeit. Meine Frau sucht ihren Kindle, ich Wege auf die den See umgebende Hügel. Beide werden wir fündig. Über die im hinteren Teil des Campgrounds liegenden Stellplätze führt ein Weg direkt auf den Berg hinter dem Campground. Mit Bärenspray und Kamera steige ich hoch und genieße den noch jungen Morgen.

23-8-snafu-lake03

Für den Nachmittag haben wir uns die Erkundung des Sees per Boot vorgenommen. Es ist warm heute, bestimmt so um die 20 Grad, bestes Paddelwetter. Das müssen sich auch zwei junge Kanadier gedacht haben, die im Laufe des Vormittags mit ihrem Truck ankamen und sich bis auf Sporthose und T-Shirt auszogen, um Stand up Bretter für ihre Paddeltour zu nutzen. Wir hingegen bereiteten uns auf die Paddeltour im Yukon so vor, wie wir es uns in Deutschland für den ja kalten Norden gedacht hatten. Funktionsunterwäsche, wasserdichte Paddelhose, Paddelsocken, Paddeljacke und meine Frau noch Paddelhandschuhe.

13-paddeltour-snafu-2

Das Boot hätten wir vor dem Anziehen aufpumpen sollen. Jetzt sind wir voll bekleidet schon noch der zweiten Luftkammer geschwitzt wie nach 10 km paddeln. Wir treffen uns am Ufer mit dem jungen kanadischen Paar. Wow, wohin fahrt ihr denn, fragte uns der junge Mann von seinem Paddelbrett aus. Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, blickte an mir und meiner Frau hinunter, sah die Kleidung, die wir für den Mendelhallgletscher in Juneau gekauft hatten und antwortete dann lachend, wir paddeln nach Alaska. Alles andere hätte so auch keinen Sinn ergeben.

snafu-lake-1-von-1-16

Als wir den Hauptsee erreichen, war das Pärchen schon am Horizont verschwunden und wir können in Ruhe in den nächsten See einsteuern. Den überqueren wir, vorbei an Biberburgen, kleinen Buchten und anwachsenden Bergen am Horizont. Die Einsamkeit in der wir uns bewegen, die Ruhe ist fast körperlich spürbar. Fast schon ein wenig unheimlich. Nichts rührt sich, kein Laut ist zu hören – wunderschön.

23-8-snafu-lake09

Inzwischen ist Wind aufgekommen, wie so oft auf größeren Gewässern. Das Paddeln wird anstrengender und das Wasser unruhiger. Unser Boot ist kentersicher, beruhigten wir uns. Als wir schon fast daran zweifeln, ob wir in den richtigen Seitenarm des Sees eingebogen sind, tauchen am Horizont die Stand up Paddler auf und die steuern zielstrebig an ihren Startpunkt zurück. Dort treffen wir uns eine halbe Stunde später und tauschten uns über die wunderschöne Landschaft aus. An dem Fluss, an dem wir umkehrten, waren sie weitergepaddelt. Dort gäbe es wahnsinnig viele und große Fische, auch Hechte, meinte der Kanadier. Das nächste Mal nehmen wir unser GPS Gerät mit und dann paddeln wir weiter, nehmen wir uns vor.

Atlin (24.08.)

Die Stadt im Norden British Columbias, 175 km von Whitehorse entfernt, war ursprünglich eine Goldgräberstadt. Mit dem Goldrausch von 1899 kamen etwa 5.000 Menschen in die Region, auf der Suche nach Gold und ihrem Lebensglück. Und noch heute wird nach Gold geschürft. Am Ortseingang weist ein Denkmal auf die Arbeit und das Leben der „Stampeder“, der Goldsucher, hin.

In den frühen 20er Jahren besuchten zahlreiche Touristen die Stadt. Da sie aber nicht auf dem Landwege erreichbar war, mussten die Reisenden die Strecke mit dem Schiff und der Bahn zurücklegen. Das heute noch am Ufer des Atlin Lake liegende Schiff MV Tarahne ist Zeuge aus dieser Zeit.

unbenannt-1-von-1-2

Karl-Hans Kern

Seit 2003 findet jährlich im Juli in Atlin das Atlin Arts & Music Festival statt. Hinweise darauf finden sich in Form von künstlerisch gestalteten Bänken in der ganzen Stadt.

atlin-bc27

Atlin hinterlässt bei uns einen besonderen Eindruck. Landschaftlich ist es großartig gelegen. Bergketten begrenzen den See auf der gegenüberliegenden Seite, auf der sich auch der Atlin Provincial Park befindet. Die Häuserfassaden, geformt wie man sie aus den Wildwestfilmen kennt sind bunt bemalt – ähnlich wie in Wells, dem Künstlerstädtchen bei Barkerville, dem Historic Town in der Cariboo Region. Besonders aber haben es uns die zahlreichen, noch blühenden Blumen angetan, die hier im hohen Norden mit intensiveren Farben zu leuchten scheinen als bei uns zuhause.

atlin-bc26

Neben der Tankstelle gibt es auch Einkaufsgelegenheiten in der Stadt. Im Generell Store kann man sogar selbstgebackenen Kuchen kaufen, der schon beim Betreten des Stores lecker riecht und dem man nicht widerstehen kann. Mit einem Becher Kaffee vor der Tür des Stores genossen, lädt dieser Ort immer zum Verweilen ein.

atlin-bc31

Ursprünglich hatten wir die Idee am Surprise Lake noch eine Nacht zu verbringen aber mit der South Canol Road, der einsamsten Straße des Yukon, lockt das Abenteuer. Und da wir auf dem dortigen Campground zwei Nächte bleiben wollen, entschließen wir uns zur Weiterfahrt. Das Wetter ist gut und das Auto vollgetankt. So fahren wir am frühen Nachmittag los in Richtung Alaska Highway.

whitehorse-nach-atlin10

 

(Autor: Karl-Hans Kern, Fotos: Karl-Hans Kern)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

*


*

Newsletter

Einmal im Monat erhalten Sie unsere schönsten Magazin- und Leserbeiträge, können Kanadareisen gewinnen, werden über Aktionen informiert oder erhalten wertvolle Tipps zur Reisevorbereitung.

Newsletter bestellen

Quickguide

Das Wetter

Vancouver
20°
Klarer Himmel
Luftfeuchtigkeit: 48%
Windstärke: 4m/s NNW
MAX 14 • MIN 11
24°
DIE
26°
MI
24°
DO
Weather from OpenWeatherMap
Calgary
21°
Ein paar Wolken
Luftfeuchtigkeit: 20%
Windstärke: 7m/s WNW
MAX 16 • MIN 15
24°
DIE
26°
MI
27°
DO
Weather from OpenWeatherMap
Toronto
13°
Klarer Himmel
Luftfeuchtigkeit: 41%
Windstärke: 3m/s NW
MAX 8 • MIN 7
15°
DIE
20°
MI
18°
DO
Weather from OpenWeatherMap
Montreal
14°
Klarer Himmel
Luftfeuchtigkeit: 50%
Windstärke: 5m/s W
MAX 8 • MIN 7
24°
DIE
22°
MI
17°
DO
Weather from OpenWeatherMap
Halifax
13°
Ein paar Wolken
Luftfeuchtigkeit: 100%
Windstärke: 3m/s W
MAX 12 • MIN 11
12°
DIE
11°
MI
10°
DO
Weather from OpenWeatherMap
Travelbook BlogStars
Zur Werkzeugleiste springen