St. John’s – Gander

Wolkenloser blauer Himmel über St. John`s! Mein Zuhause während der Newfoundland-Etappe ist ein grauer Chevy Malibu. Außen unspektakulär, innen eine rollende Wohnzimmergarnitur wie aus den siebziger Jahren. Erinnerungen an die Schrankwand meiner Eltern werden wach. Etwas anderes hatten sie am Mietwagenschalter nicht. Mir soll´s recht sein.
Solange ich bequem sitze und ich den Kaffeebecher abstellen kann.

Im Chevy Malibu fast 8.000 km über Kanadas Straßen

Heute morgen um neun ging es los. Vorher war ich nochmal kurz auf der offiziellen TCH-Homepage. Genau 7821 km sind es von St. John`s nach Victoria. In Batchwana Bay in Ontario ist Halbzeit. Höchster Punkt ist der Kicking Horse Pass (1643m) auf der Grenze zwischen Alberta und British Columbia. 1950 begannen sie mit dem Bau des Highway, 1971 war er fertig. Der NFLD-Abschnitt (St. John`s – Channel-Port aux Basques) ist 905 km lang, Abstecher nicht mitgerechnet. Inzwischen rechne ich mit 15-, 16 000 Kilometer. Gestern nacht bei O`Reilly´s wollte jemand wissen, warum ich mir das antue. Mir fiel darauf nichts besseres ein als die Antwort der Bergsteiger. Einfach weil sie da ist, diese Straße. Und wohl auch, weil ich ein hoffnungsvoller Romantiker bin.

Apropos Abstecher…werde mich zusammen reißen müssen, wenn ich jemals in Victoria ankommen will. Den ersten habe ich noch im Großraum St. John´s zur Conception Bay unternommen, um mir Bell Island näher anzusehen. Das Eiland erlebte im Zweiten Weltkrieg die einzigen Kampfhandlungen in Nordamerika. Im Herbst 1942 versenkten deutsche U-Boote hier vier alliierte Erzfrachter. 70 Menschen kamen dabei ums Leben. Doch vor Ort musste ich mich erstmal durchfragen. Kein Schild, kein Denkmal, nichts. Erst nach viel Herumfragerei wurde ich fündig. In einer Falte der Steilküste der Insel lag auf einem schmalen Uferstreifen ein öder Trailerstellplatz. Gleich daneben befand sich das “Mahnmal für den Seemann”. Es bestand aus einem Fahnenmast, ein paar Tafeln mit Namenlisten und einem riesigen Anker. Draußen, nur einen Steinwurf vom Ufer entfernt, dümpelten vier weiße Bojen. Sie markieren die Position der Wracks.

Die neufundländische Landschaft zeigt sich

Man kriegt schnell mit, was Newfoundland ausmacht: Die Insel findet an der Küste statt. Dort liegen die Städte und Outports. Das Innere dagegen ist so gut wie leer. Nichts als Wälder, Seen, Flüsse und nochmal Wälder. Und gelbe Schilder, die vor Kollisionen mit Elchen warnen. Der Verkehr auf dem vierspurigen TCH dünnte aus, sobald ich die Avalon Peninsula hinter mir ließ. Tempomat an, Radio an! In Clarenville lernte ich Tim Hortons kennen, Kanada´s wohl beliebteste Kaffee-und-Doughnut-Kette, sie wurde in den sechziger Jahren vom gleichnamigen Eishockeyspieler gegründet. Mit Kaffee und Muffins an Bord wurde ich zum zweiten Mal an diesem ersten Tag dem TCH untreu. Ich wollte wissen, wie in Newfoundland ein Ort mit dem exotischen Namen Bonavista aussieht. Deshalb bog ich auf den Hwy. 230 ab und kurvte durch dichte Laub- und Nadelwälder bis zum Ende der Bonavista Peninsula. Plötzlich goss es wie aus Kübeln: Dass ich in Bonavista war, merkte ich nur dank des Ortsschilds. Von “bonavista” keine Spur. Am Leuchtturm hoch über der kabbeligen See riß der Himmel dankenswerterweise auf. Die Steilküste mit ihren grauschwarzen Felsen und der tosenden Brandung hatte Wow-Qualität. John Cabot, alias Giovanni Caboto, segelte 1497 in diesen Gewässern. Ihm wird der Ortsname zugeschrieben. Damals war das Wetter wohl besser.

Fotostrecke

Ein Elch zum knutschen

Danach ging es durch den Terra Nova National Park. Auf einem Rastplatz standen Autofahrer um ein Autowrack herum, dass mit einem Elch Bekanntschaft gemacht hatte. Der Wagen war halb unter dem Elch hindurch gefahren, bis er mit der Windschutzscheibe zuerst gegen den Leib des Riesentieres krachte. Die Größe und Anatomie des Elches – und die Wucht des Aufpralls – konnte ich an der Wölbung des nach innen gebogenen Wagendaches ablesen. Als ich 70 km später in Gander einlief, geisterte dieses Bild noch immer in meinem Kopf herum.

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