Von Einer die auszog, ein fremdes Land zu entdecken

Kurzprofil: Gerdis Raichle, 27, Work & Travel in der Provinz Québec, gearbeitet und gewohnt in Montréal und Québec.

1. Wann warst du in Kanada zum Work & Travel und was bewog dich zu diesem Trip?

Ich war Ende Juni bis Anfang Oktober 2010 dort. Ich hatte gerade mein Studium beendet, eine lange und stressige Examenszeit hinter mir und brauchte eine gründliche Abwechslung von Allem. Also hieß es: Luftveränderung!

2. Warum ausgerechnet Kanada?

Ich kannte Kanada vor meiner Reise kaum. Für mich war es wichtig irgendwo zu sein, wo man Französisch spricht, da ich die Sprache studiert habe. Deshalb fielen die typischen „nach Abi/Examensreisen-Länder“ wie Australien und Neuseeland weg. Und damit auch der Westen in Kanada. Ich war also „nur“ im Osten, in Québec. Natürlich wollte ich wissen, wie das Leben in Kanada ist und wie die Landschaft. Man hört und liest ja immer wieder darüber. Ich konnte mir diese Natur nur schwer vorstellen, soviel riesige unbewohnte Fläche, und eine Tierwelt, wie es sie hier in Deutschland nicht gibt. Dann war es außerdem schön weit weg, ich war zuvor noch nie außerhalb Europas, das reizte mich. Außerdem die Nähe zu Amerika, wo ich auch noch nie war und wo ich die letzten zwei Wochen verbrachte, bevor ich von New York aus wieder zurückflog.

Work & Travel in Montréal und Québec

3. Wie hast du dich vorbereitet? Wolltest du das Work & Travel allein durchziehen oder hast du Hilfe von einer Agentur in Anspruch genommen?

Meine Eltern haben mich letztlich „überzeugt“, die Hilfe einer W&T Agentur in Anspruch zu nehmen. Noch bevor ich dies tat, bewarb ich mich für mein Visum. Dabei mussten sie mir also nicht mehr helfen. Auch meinen Flug organisierte ich selbst. Bei all dem hätten mir allerdings auch die Mitarbeiter geholfen. Mir war die Agentur wichtig für meinen Start in Kanada. Einfach die Gewissheit, dass da jemand ist, falls etwas passiert oder Ähnliches. Denn sonst kennt man ja immer irgendwo jemanden. In Québec kannte ich niemanden.

4. Wie läuft die Visumsbeantragung ab? Wie schwierig waren die bürokratischen Hürden? Wieviel Zeit hast du zur Planung/Vorbereitung des Work & Travel investiert?

Das Visum zu beantragen ist sehr einfach und im Internet super erklärt. Man muss sich nur rechtzeitig darum bemühen, da es nur eine gewisse Anzahl an verschiedenen Visa gibt. Wichtig ist zu wissen, welches man genau braucht. Eines, das zum Arbeiten berechtigt, zum Studieren oder zum Reisen? Als „normaler“ Tourist kann man sich bis zu 3 Monate ohne Visum dort aufhalten, aber um Jobben zu können, braucht man das W&T Visum. Dieses kostet auch etwas, wobei der Preis immer variiert. Deshalb gilt auch hier: Gut über das Internet informieren! Man bekommt nach ein paar Wochen Bescheid, und wenn man sich rechtzeitig beworben (ich habe mich ein halbes Jahr vor Abflug darum gekümmert) und keine Vorstrafen hat, bekommt man es problemlos. Ich habe ca. zwei Monate vor Abflug meinen Flug gebucht. Alles andere, wie z.B. die Ausrüstung, habe ich Stück für Stück in den Wochen vor Reisebeginn gekauft. Um die Unterbringung habe ich mich noch von Deutschland aus gekümmert. Fazit: Bürokratische Hürden gleich Null. Bei der Einreise in Montréal musste man zwar etwas warten, aber hatte man alle Unterlagen beisammen, bekam man ohne Schwierigkeiten das Arbeitsvisum in den Reisepass gestempelt. Immer dran denken: Man ist nicht der erste Work & Traveller, den die Leute da vor sich haben.

5. Welche Jobs hast du in Kanada angenommen? Welche waren gut/schlecht? Wie war der Umgang mit deutschem Personal?

In Montréal war ich Hostess in einem Restaurant. Das heißt ich stand vor/in dem Restaurant, begrüßte die Gäste, erklärte ihnen die Speisekarte, die Angebote und wies ihnen einen Tisch zu. In Québec City dann verkaufte ich erst Hüte auf einer Ausstellung, danach arbeitete ich in einem Souvenirladen. Alle Jobs waren gut! Mir war wichtig dort zu arbeiten und etwas zu machen, wo ich mit Leuten zu tun hatte, d.h. französisch bzw. englisch sprechen musste. Der Umgang war äußerst nett! Ich habe nie etwas Negatives erlebt, ganz im Gegenteil. Die Leute waren immer sehr interessiert an meiner Person. Klar, so wie wir Deutschen denken „Wow, Kanada“, denken Kanadier „ Wow, Europa“. Außerdem war zu dieser Zeit auch noch Fußball WM, wo Deutschland ja nicht schlecht spielte und alle sagten mir, wie toll sie die deutsche Mannschaft fänden. Jobmäßig lief es also echt gut, die Kollegen waren sehr herzlich und die Bezahlung lag im Durchschnitt bei umgerechnet 6-8 Euro pro Stunde.

6. Was zeichnet die Menschen in Kanada aus? Finde drei Begriffe.

Hilfsbereit, freundlich, interessant.

7. Wie kamst du mit der Kultur zurecht? Was ist anders?

So sehr unterscheiden sich die Kulturen nicht. Der größte Kontrast fiel mir beim Einkaufen auf. In Kanada werden die Preise ohne Steuern ausgeschrieben, das heißt, am Ende zahlt man mehr, als auf den Schildern steht. Die Steuern variieren von Produkt zu Produkt: Auf Gemüse waren keine Steuern aufgeschlagen, wohl aber auf Schokolade. Auch Brot und Butter werden nicht besteuert, da sie zu den Grundnahrungsmitteln gehören. Milchprodukte waren um einiges teurer als in Deutschland. Das fällt natürlich ins Gewicht, wenn man für einen „Standardkäse“ auf einmal umgerechnet fünf Euro oder mehr bezahlt. Im Allgemeinen kann man sagen, sind die Kanadier vielleicht etwas entspannter als die Deutschen und eben offener, hilfsbereiter, geduldiger. Vor allem Ausländern gegenüber, schließlich ist es ja auch ein Land, das ohne Zuwanderer gar nicht zustande gekommen wäre. Grandios ist vor allem und besonders in Montreal die Zweisprachigkeit. Die Leute switchen problemlos von Englisch auf Französisch und umgekehrt. Bewundernswert. Ein wichtiger Tipp zur Jobsuche in Montréal: Selbst dort, in der anglophonsten Stadt in Quebec, ist es ohne Französisch-Kenntnisse sehr schwierig einen Job zu finden. In Québec City ist es sowieso unmöglich. Noch etwas zur Kultur: Die Kanadier sind sehr stolz auf ihre Sprachen, vor allem die Frankophonen auf das immer noch erhaltene Französisch bzw. Quebecois und auf ihre Provinz. Man sieht jede Menge Fahnen an Häusern und in Vorgärten.

Fotostrecke

8. Vervollständige bitte folgenden Satz: „Die Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und dem Leben in Kanada sind…“

… meiner Meinung nach die Preise bei Lebensmitteln und auch bei den Mieten. Leben und Wohnen empfand ich als relativ teuer. Positiv war das Gefühl von Sicherheit in den Städten (auch nachts). So sicher habe ich mich in Köln nie gefühlt. Die Offenheit der Menschen gegenüber Ausländern!

9. Welche 3 Dinge hast du vermisst du bzw. sind dir auf die Nerven gegangen?

Ich habe günstigen Käse, normale Schokolade und Vollkornbrot vermisst. Es gibt in Québec oft nur Weißbrot zu kaufen, alles andere ist sehr teuer. Auf die Nerven gingen mir persönlich in der ersten Zeit die Preise ohne Steuern. Es ist ungewohnt, wenn man nicht genau weiß, wie viel man denn an der Kasse zahlen muss und in Gedanken dann rechnet. Irgendwann habe ich einen gewissen Betrag draufgeschlagen, dann ging es. Ist eben eine Gewohnheitssache. Speziell in Québec City war es im Sommer wahnsinnig touristisch. Es legen viele Kreuzfahrtschiffe an, das hat auch etwas genervt. Die Altstadt, also Vieux-Quebec, ist allerdings, das muss man sagen, wunderschön.

10. Ein Wort oder eine Redewendung, an der man in Kanada nicht vorbei kommt:

Zunächst fällt mir ein Essen ein, an dem man nicht vorbei kommt: Poutine. Ich sage nicht, was es ist, einfach probieren und süchtig werden! Daneben gibt es die typischen Wörter à la Québécoise: „Tabernacle“ zum Beispiel. Bedeutet nichts Gutes! Was das Französische angeht, gibt es viele Wörter, die den Quebecern eigen sind und viele, die das Französische anders oder gar nicht kennt. Diese hier alle aufzuführen, wäre zu viel.

11. Welche drei Tipps würdest du jemandem geben, der Work & Travel in Kanada machen möchte?

1. Sich zu überlegen, wohin es genau gehen soll und dann gut vorbereitet sein, d.h. zum Beispiel Französisch sprechen können. In Québec City findet man sonst keinen Job und auch in Montréal wird´s schwierig. Lebensläufe in Englisch und Französisch dabei haben, macht immer einen guten Eindruck.

2. Auf jeden Fall auch die Gaspé-Halbinsel abfahren- eröffnet wunderbare Natur außerhalb der großen Städte. Es gibt dort viel zu sehen- alles außer viele Leute.

3. Wenn man schon mal in Kanada ist, anschließend rüber nach Amerika. Am besten per Bus übers Land, ist am billigsten, unkompliziertesten und man sieht viel. Boston und NY sind wärmstens zu empfehlen.

12. Vervollständige bitte folgenden Satz: „Kanada ist für mich…“

… nun ein Land, das mich nie mehr loslassen wird.

13. Was hat der Kanada-Aufenthalt in dir bewirkt? Wirst du zurückkehren?

Er hat mir gezeigt, was man doch so alles auf sich allein gestellt machen kann. Das gab mir im Nachhinein mehr Stärke und hat meine Erfahrung bereichert. Ich hab in diesen dreieinhalb Monaten alles gehabt: von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Zum Glück war Ersteres überwiegend. Ich werde auf jeden Fall zurückkehren, dann in den Westen!

14. Last but not least:

Ich finde es wichtig weiterzugeben, dass man nie vergessen sollte, dass man als Gast in diesem Land auftritt. Während meiner Reise habe ich ein paar Engländer kennengelernt, die auf Work &Travel Tour waren und sich beschwert haben, dass sie keinen Job finden, weil sie kein Französisch sprechen. Da sag ich nur: Selbst schuld. Vorbereitung ist alles! Beinhaltet auch, immer höflich und nett aufzutreten und nie zu vergessen: Du möchtest etwas von denen, die wiederum können auch gut ohne dich. Ansonsten: Alles genießen und mitnehmen. Und gerade an die Mädels: Keine Angst vor dem Alleine reisen! Ich hab´s gemacht und es war super. Man lernt ständig Leute kennen und was die Sicherheit angeht, hab ich mich wie gesagt oft sicherer als in Deutschland gefühlt. Abschließender Tipp: Wenn man längere Zeit in einem Ort verweilt, auf jeden Fall ein Fahrrad kaufen (ok, außer man ist im tiefsten Winter da). So entdeckt man die Stadt und Umgebung am allerbesten, unabhängig von Verkehrsmitteln und man sieht viel mehr von der Umgebung. Außerdem glaubt man gar nicht, wie heimisch man sich in einer fremden Stadt fühlen kann, wenn man wie alle Bewohner plötzlich auf einem Fahrrad durch die Gegend zischt. In Montréal gibt´s die grauen Räder, genannt BIXI, super Sache! Abonnieren und losradeln, dann ist die Stadt auch bald nicht mehr fremd.

Nützliche Adressen und Links:

Work & Travel Wikipedia Link: de.wikipedia.org
Gerdis´ Work & Travel Agentur “Stepin”: www.stepin.de
BIXI Montréal: montreal.bixi.com
Tourisme Gaspésie: www.tourisme-gaspesie.com
Tourisme Montréal: www.tourisme-montreal.org
Tourisme Ville de Québec: www.ville.quebec.qc.ca
Tourisme Québec (Provinz): www.bonjourquebec.com

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