Wohnmobiltour durch den Yukon: Mein Reisebericht

Karl-Hans Kern war im letzten Jahr mit dem Wohnmobil durch den hohen Norden Kanadas unterwegs. Seine Reise durch den Yukon könnt ihr in seinen Reiseberichten mitverfolgen.

Mein Reisebericht: Yukon

Wie unterscheidet sich die Reisevorbereitung in den Yukon zu anderen kanadischen Provinzen? In den ersten zwei Artikeln sprachen wird mit Karl-Hans Kern aus Hessen über die Reisevorbereitungen und Routenplanung. Im zweiten und dritten Teil begleiten wir die Reise durch den Yukon.

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Mit dem Wohnmobil durch den Yukon – Mein Reisebericht

Die einsamste Straße des Yukon

25.8. Auf dem Highway 6, South Canol Road
Vor uns liegt heute ein erster Höhepunkt unserer Reise in den Yukon, die Fahrt auf dem Highway 6, der South Canol Road. Sie führt 230 Km durch den südlichen Teil des Yukon und verbindet den Alaska Highway mit dem Robert Campbell Highway. Ursprünglich während des Zweiten Weltkrieges als Versorgungsstraße für den Bau der Ölpipeline konstruiert, ist sie heute eine gravel road, die vor allem eines bietet, Ruhe, Abgeschiedenheit und Abschnitte wunderschöner Landschaften. Die „einsamste Straße des Yukon“, wie sie von Kennern bezeichnet wird, war von Beginn an eines unserer Reiseziele und unsere Erwartungen dementsprechend hoch. Sie sollten nicht enttäuscht werden.

25.8 South Canol Road 2

 

25.8 South C R

Die Tankstellen immer im Blick

Vom Snafu Lake Campground her kommend, führt uns der Weg über die Atlin Lake Road und den Alaska Highway nach Johnsons Crossing. Da wir uns vorgenommen haben den Tank unseres Trucks möglichst nie mehr als bis zur Hälfte leer zu fahren, legen wir in der 15 Einwohner zählenden Siedlung am Teslin River einen Tankstopp ein. Wie so oft im Yukon ist die Tankstelle dabei nur eines von mehreren Serviceangeboten. Ein Motel mit Stellplätzen für Wohnmobile lädt Gäste zum Verweilen ein. In einem kleinen Store neben der Tankstelle lassen sich Vorräte auffrischen und weiter südlich bietet noch eine zweite Tankstelle ihre Dienste an.

25.8 Johnsons Crossing

 

Nach dem Tanken verpassen wir beinahe den Abzweig nach Ross River, der Stadt am Ende der South Canol Road. Doch die vor sich hin rostenden LKWs aus den 40er Jahren, machen uns auf den Beginn der South Canol Road aufmerksam. Sie waren uns aus Reiseberichten und Prospekten der Tourismusorganisation des Yukon in Erinnerung geblieben.

25.8 South Canol Road

Von Beginn an fasziniert die Landschaft. Von Herbstfarben geprägte Sträucher und Bäume, soweit das Auge reicht. Sie sind durchzogen von Flussläufen und begrenzt von Bergketten die schon mit Schnee bedeckt sind. Wir fahren langsam, nicht nur um das Fahrzeug und uns zu schonen sondern auch um die faszinierende Landschaft zu genießen.

Den ersten Halt legen wir am Nisutlin River ein. Ein ruhiger Fluss, den auch Anfänger für geführte Kanutouren nutzen können. Touren, die nach Süden, zum Teslin Lake führen. Es ist schade, dass wir bei Flüssen auf einen Shuttleservice angewiesen sind, sonst hätten wir unser Boot ausgepackt.

25.8. South Canol Road 3

Wir setzen die Fahrt fort und erreichen den Quiet Lake. Der dortige Yukon government campground ist unser vorläufiges Tagesziel. Aber wir werden überrascht. Nahezu alle Stellplätze sind belegt, von Kanadier mit ihren Motorbooten, Anglern und Dauercampern. Hinzu kommt, dass von den wenigen freien Stellplätzen keiner einen Blick auf den See ermöglicht. Insgesamt wirken alle Plätze sehr geschlossen, so dass wir ohne zu Zögern entscheiden weiter zu fahren.

Campground Quiet Lake North

Nach weiteren 30 Minuten fahrt weist eine große Holztafel auf den Campground Quiet Lake North hin. Der Zufahrtsweg führt zunächst einige hundert Meter parallel am See entlang, bevor mit dem ersten Stellplatz auf der rechten Seite des Weges der Campground erreicht ist. Es scheint, als sei der Platz vor wenigen Tagen noch belegt gewesen. Überall an den Feuerstellen liegen noch angekohlte Baumstämme und im Feuerring unseres Stellplatzes auch noch Abfall – was wir nicht ganz verstehen, weil sich überall Abfallbehälter zu finden sind. Nun denn, wir melden uns an, zunächst für eine Nacht. Wir sind alleine, alles ist ruhig, selbst der See liegt spiegelglatt vor uns.

25.8. Quiet Lake (2)

Der Abend endet am Lagerfeuer und so langsam fällt die Alltagshektik ab, beginnen wir Inne zu halten und wirklich anzukommen. Es ist entspannend, ohne virtuelle Verbindung zur Außenwelt, ganz alleine hier in der Wildnis zu sein. Für nichts verantwortlich, als für das tägliche Essen, das Lagerfeuer und für das gemeinsame Wohlbefinden.

25.8 Quiet Lake

Nach der ersten Nacht am Quiet Lake bin ich, wie so oft in Canada, früh wach. Noch ist es nicht wirklich hell draußen. Mit der aufgehenden Sonne aber verändert sich der See, verliert ein wenig von seiner fast unheimlichen Erscheinung (die Fantasie spielt Streiche) und wird zu dem was er ist, Wasser, umgeben von Bergen.

26.8. Quiet Lake 2

 

Überraschender Besuch

Kein weiterer Gast ist angekommen, so dass wir auf einen Stellplatz mit Seeblick wechseln können. Bevor wir also mit dem Frühstück beginnen, fahren wir unseren Truck direkt zum Seeufer. Gerade geparkt, will ich sehen, wie ich den Truck so abstelle, damit er gerade steht, als ich etwas auf dem Weg entlang kommen sehe. Es dauert einen Moment bis ich merke was es ist. Ein Stachelschwein läuft gemütlich fressend auf uns zu. Es hat uns nicht gesehen oder gehört und erst als es fast auf der Höhe unseres Truckcampers ankommt sieht es uns und zieht sich in den Wald zurück. Wir haben ein Tier gesehen! Unser erstes bisher. Der Yukon scheint Rehen, Bären und Elchen so viel Platz zu bieten, dass sie nicht an „unserer“ Straße laufen und sich uns nicht zeigen müssen.

Quiet Lake Stachelschwein

Der Himmel erscheint heute so, als wolle es jeden Moment anfangen zu regnen. Dem ist aber nicht so. Das ist eine der Erfahrungen, die wir immer wieder machen in den drei Wochen Urlaub im Yukon. Das Wolkenbild droht aber der Wind treibt mögliche Regenwolken genauso schnell auch wieder weg. Heute liegt der See ganz ruhig vor uns. Kein Lüftchen weht, Regenwolken sind vorhanden. Es heißt abwarten. Auf alle Fälle bereiten wir unser Boot vor und gehen auf Tour.

Acht verlorene Jahre

Doch bevor wir losziehen nähert sich ein Fahrzeug dem Campground. Es ist der Park Ranger. Er bringt frisches Feuerholz und schaut, ob alles in Ordnung ist. An der Bootsrampe packt er sein Mittagessen aus, scheint Zeit zu haben, so dass wir uns trauen, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Ob alles ok sei, will er wissen. Ob wir das erste Mal im Yukon seien? Als ich ihm mit Ja antworte, und dass wir zuvor acht Jahre lang BC besucht hätten, meinte er trocken, „acht verlorene Jahre“. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er kurz vor der Rente steht. Er werde diese Arbeit vermissen, meinte er. Er genieße die Einsamkeit und Schönheit des Yukon, erläutert er. Wir können ihm nur zustimmen.

Als er merkt, dass wir paddeln wollen, weißt er uns darauf hin, dass das Wetter sicher schlechter werde. Dann könne es auf dem See ungemütlich werden. Wir sollten aufpassen. Das tun wir und als wir nach einer Stunde fast das Ende des Sees erreichen, beginnt es zu regnen. So müssen wir umkehren, was wir außerordentlich bedauern. Bietet der Quiet Lake doch den Gelegenheit zu einer längere Bootstour und mit der Verbindung über Flüsse den Zugang zu anderen Seen. Doch Regen und Wind halten sich in Grenzen.

26.8 SCR

Wir gelangen unbeschadet zurück zum Truck und weil es noch früh am Nachmittag ist, laufe ich ein wenig die Straße in Richtung Norden. Vielleicht lässt sich erkennen, wie es nach dem Campground weiter geht. Nach dem Abzweig zum Campground steigt die Straße an. Abgelegte Metallrohre machen mich stutzig aber dann sehe ich, worum es sich bei dem Gebäude handelt, das wir vom See aus gesehen hatten. Es ist die Straßenmeisterei der South Canol Road. Eingezäunt, mit Antennen auf dem Dach und abgestellten Fahrzeugen ist es ein Anwesen, vor dessen Tor noch Hinweise auf die Geschichte der South Canol Road zu finden sind. Fahrzeuge und Geräte, die im Zweiten Weltkrieg für den Bau der Ölpipeline eingesetzt wurden, rosten vor sich hin und die Natur scheint auch hier ganz langsam Besitz zu ergreifen.

On The Road Again

26.8 Quiet Lake
Der Blick am frühen Morgen aus dem Truck Camper bestätigt, was sich die gesamte Nacht hindurch mit einem monotonen Tröpfeln auf das Dach des Campers bestätigt angekündigt hat, es regnet. Nicht heftig zwar aber dennoch hängen die Wolken tief über dem See und verhüllen die umliegenden Berge mit grauen Schleiern. Damit wird uns der Abschied von diesem Fleckchen Erde mitten in der Wildnis Canadas einfacher gemacht.Nach dem Frühstück brechen wir auf. Vor uns liegen 130 km Fahrt bis Ross River und weiter bis Faro.

26.8 Ross River

Mit Herbstfarben gemalt umgibt uns eine Landschaft, wie wir sie beeindruckender bisher kaum gesehen haben. Die Nebelschleier an den Bergen lassen diese ganz besonders, fast ein wenig geheimnisvoll, erscheinen. Wir können uns nicht satt sehen, staunen, halten an, fotografieren und fragen uns immer wieder, wie es hier erst sein muss, wenn die Sonne scheint?

Wir fahren stundenlang, kreuzen mehrfach den Rose River, der begleitet wird von anderen Flussläufen, die sich ihren Weg durch das Gestein gegraben haben. Es bieten sich zahlreiche Möglichkeiten zum wild Campen zwischen Seen und Bergen. Im Truck ist es ruhig, angesichts dieser Naturschönheiten. Noch lange bevor wir das Ende der Straße erreichen, versprechen wir uns, noch einmal wieder hier zu kommen. Kein Fahrzeug begegnet uns. Auch nicht, als wir uns schon auf der Höhe des Lapie Lake bewegen.

26.8. Ross River Fähre

Was wir bei diesem Wetter sehen, ist eine wunderschön gelegene Seenlandschaft, typisches Mooseland eben. Der Lapie Lake Campground ist zwar von der South Canol Road aus gut einzusehen allerdings scheinen die Stellplätze fast ein wenig vernachlässigt. Bei diesen Wetterverhältnissen lautet daher die die Antwort auf unsere Frage, ob wir hier eine weitere Nacht verbringen wollen, trotz der landschaftlichen Schönheit, nein. Das nächste Mal.

Ohne damit zu rechnen, endet die South Canol Roads am Lapie River Canyon. Wir waren vier Stunden gemütlich unterwegs bis hierher. Ein Fahrzeug kam uns auf der gesamten Strecke entgegen. Hinter uns liegen 230 Km wunderschöner Landschaft und vor uns die wenigen Kilometer bis Ross River.

26.8. SCR 5

Der kurze Fußweg zum Lapie Canyon lohnt allemal. Die Gesteinsformationen zeigen, wie sich im Laufe der Jahrtausende verformten, so als wären sie aus Teig. Nach kurzem Aufenthalt setzen wir unsere Fahrt Richtung Ross River fort.

26.8 Lapie River Canyon

 

26.8 Lapie River Canyon 2

Wenige hundert Meter hinter der Brücke zweigt der Robert Campbell Highway dann in Richtung Südosten nach Watson Lake ab und in nordwestlicher Richtung ist Carmarcks das Ziel. Doch zunächst gilt unsere Aufmerksamkeit dem Abzweig nach Ross River. Er ist nicht zu übersehen und führt 10 Kilometer zur Stadt am Pelly River, die den Beginn der North Canol Road markiert. Stadt ist nicht die richtige Bezeichnung. Einige Häuser, darunter eine Kirche auf der linken und eine Tankstelle auf der rechten Seite, finden sich am Ortseingang. Auffällig sind die Straßenlaternen, die rechts und links der Hauptverkehrsstraße aufgestellt sind. Sie sind von der Regierung gestellt und gehören zu den Annehmlichkeiten, die Menschen motivieren sollen, hier wohnen zu bleiben.

Wie wir an der Tankstelle erfahren, gibt es in Ross River kein Restaurant mehr. Aber in Faro, meinte der freundliche Tankwart mit Bart und Mütze, ganz so anzusehen, wie man sich die Menschen im Yukon vorstellt.

 

Die Fähre an der Brücke über den Pelly River lässt gerade auf der gegenüberliegenden Seite einige Fahrzeuge auffahren, bevor sie auf unsere Seite übersetzt. Es herrscht reges Treiben an einer Stelle, von der wir dachten, hier würden sich Hase und Igel gute Nacht sagen. Wir schauen dem Treiben noch ein wenig zu und setzen dann unsere Fahrt nach Faro fort. Parallel zum Pelly River begleiten uns auch hier wunderschöne Herbstfarben und die Gewissheit, nahezu alleine auf diesem Highway unterwegs zu sein.

Faro

Kurz vor Faro hätte die Möglichkeit bestanden, auf einem Yukon government Campground zu übernachten. Wir aber entscheiden uns für den städtischen Campground, gleich gegenüber dem Visitor Center. Es sind ausreichend Stellplätze frei. Der Platz ist großzügig angelegt und entspricht durchaus Provincial Park Standard. Die Sani Dump Station am Parkeingang beruhigt und kostenloses Holz für das Lagerfeuer gibt es auch ausreichend. Und das alles für 15 CAD. Was wollen wir mehr?

26.8 Richtung Faro

Wir nutzten die Zeit um noch ein wenig einzukaufen. Trinkwasser ist wichtig. Hatten wir zunächst noch unseren Kaffee mit Wasser aus dem Tank des Trucks gekocht, schmeckt es zwischenzeitlich so nach Chlor, dass uns der Kaffee nicht mehr schmeckt. Ein Paar Kekse für den Nachtisch und dann steht erst einmal der Besuch der Van Gorder Wasserfälle auf dem Programm.

Der Trailhead befindet sich auf dem Campground. Und wer diesen Weg geht, der muss nicht trainiert sein. Er führt zwar durchaus steil nach oben, wie so viele Wege in Kanada, aber überall stehen in den Kehrtwenden Bänke, damit sich die Generation 60+ dort ausruhen kann. Wir spaßen noch und meinen, wenn das mal nicht jemand aus Deutschland geplant hat. Denn auch die Wege sind umsäumt von Steinen und alles erinnert mehr an eine Parkanlage denn an eine Wildniswanderung. Da hilft auch nicht der Hinweis, „you are in bear Country“.

Ich kann es vorwegnehmen. Am nächsten Tag erfahren wir im Visitor Center, dass eine sehr engagierte Kollegin aus Deutschland lange Zeit im Visitor Center mitgearbeitet hat und viele Ideen und Arbeit einbrachte. Also doch…

unbenannt-1-von-1-2

Nach dem kurzen Spaziergang zum Wasserfall folgen wir dem zweiten Ratschlag der netten Frau aus dem Visitor Center. Abendessen im Hotel. Wir gönnen es uns und auf der Speisekarte stehen die unterschiedlichsten „Burger“. Es wird so richtig ein Kanadaabend mit Yukon Gold und zwei Mal Burger mit French Frise (hoffe, habe das richtig geschrieben) und wir sind mehr als satt. Der Abend wird eingeläutet. Noch ein wenig Lagerfeuer, der obligatorische Whisky und dann ist auch dieser Tag zu Ende. Morgen steht die Fahrt nach Dawson City auf dem Programm. Wir sind schon gespannt.

(Text und Bilder: Karl-Hans Kern)
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